lingua ignota - argot

AXEL ANKLAM & JAN MUCHE

 

 

VERNISSAGE, am Freitag, 07. Februar 2020

Ausstellungsdauer: 08.02. – 11.04.2020

 

In ihrer Ausstellung „lingua ignota   argot“ zeigen AXEL ANKLAM und JAN MUCHE neue Arbeiten in der GALERIE Anja KNOESS. Zwei Geheimsprachen wurden hier zur Anregung für einen konzeptionellen Dialog: Die Objekte und Gemälde der beiden Berliner Künstler werden in einer installativen Präsentation korrespondierend miteinander verwoben: die jeweils eigene Bild-Sprache und Ästhetik der Objekte und Gemälde wird signifikant und gleichzeitig werden diese zu einem Gesamtkunstwerk verbunden.

 

Neben Sprachen, die weltweit verstanden werden, gibt es auch immer die, die nicht alle verstehen sollen: Geheimsprachen. Die älteste konstruierte Sprache stammt aus dem Mittelalter von Hildegard von Bingen. Es ist ihre spirituelle "Lingua ignota", die nur Eingeweihte verstehen konnten, denn sie umfasste über tausend kirchliche Neologismen, welche im eigens konstruierten Alphabet geschrieben wurden.

Eine spirituelle Tiefe ist den Skulpturen und Wandreliefs von Axel Anklam eigen, in ihren durch das Erleben von Natur – Axel Anklam ist begeisterter Bergwanderer - ebenso wie durch antike Mythen und Mathematik inspirierten Themen und Formfindungen. Axel Anklam transformiert die, als beseelt empfundene Natur, übersetzt beispielsweise die Boreaden der griechischen Mythologie in seine klare Formensprache und Materialität.

Mit ihrer schwebenden Dynamik und geschwungenen Linien vermitteln seine Arbeiten gleichermaßen eine flüchtige Leichtigkeit wie poetische Transzendenz. Und ebenso wie der Begriff „Lingua Ignota“ sind sie in ihrer Ästhetik und Formensprache abstrakt ästhetisch erfahrbar, verstehbar und lesbar durch das Wissen um ihre Hintergründe und Bezüge.

Das „Argot“, eine Geheimsprache der Gauner und Bettler Frankreichs zur Zeit des Mittelalters ist so gestaltet, dass sie vom zufällig zuhörenden Außenstehenden nicht verstanden werden kann. Geheime Botschaften können nur die erfassen, die sie auch erreichen sollen.

In den Werken von Jan Muche finden sich häufig Botschaften, die entschlüsselt werden können – seinen Arbeiten liegt beispielsweise ein politischer Subtext zugrunde oder sie zeigen Persönlichkeiten von historischer Bedeutung. Dabei geht es dem Künstler nicht um eine irgendwie geartete Propaganda, vielmehr sind sie Ausdruck seines persönlichen Backgrounds und Interesses. Teil dessen ist auch die intensive Auseinandersetzung mit dem Konstruktivismus und der (russischen) Moderne, deren Ikonen und Architektur sich oft in seinen Bildern wiederfinden.

 

Da es in der zeitgenössischen Kunst keine festgelegte Formensprache oder eingegrenzten Themen gibt, vervielfachen sich die Interpretationsmöglichkeiten. So erscheint sie häufig als eine Art Geheimsprache, deren Aussage sich nicht direkt erschließt. Die Thematik eines Kunstwerks offenbart sich auch heute unter anderem durch die Fähigkeit des Betrachters, es zu interpretieren und zu verstehen, ebenso ist dies der Fall bei der Entschlüsselung von Sprache. Die Erfahrbarkeit eines Kunstwerks besteht jedoch immer auch jenseits des intellektuellen Verstehens, im Berührtwerden, in der Resonanz auf Formen, Farben, Materialität und Komposition, der Sprache der bildenden Künste.

 

„Die Maler leben nicht mehr innerhalb einer Tradition, und so muss jeder von uns alle seine Ausdrucksmöglichkeiten neu erschaffen. Jeder moderne Maler hat das vollkommene Recht, diese Sprache von A bis Z zu erfinden."

 – Pablo Picasso

 

WEITERE INFORMATIONEN ZU DEN KÜNSTLERN

Axel Anklam, Boreaden, 2012_2020, Rauminstallation, Edelstahl, Größen variierend, Edition
Axel Anklam, Boreaden, 2012_2020, Rauminstallation, Edelstahl, Größen variierend, Edition
Jan Muche, OT (Terassen), 2020, Acryl und Tusche auf Leinwand, 58 x 42cm
Jan Muche, OT (Terassen), 2020, Acryl und Tusche auf Leinwand, 58 x 42cm

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