roland schmitz

Roland Schmitz‘ (*1972, Waiblingen) entwickelt seit 2006 verschiedene skulpturale Werkkomplexe. Charakteristisch für seine Arbeiten sind Biegung und Verdrehung, gleichzeitig komplexe und einfache Linienführungen, welche zu raumgreifenden Plastiken führen und ein leichtfüßiger Angriff auf die sinnliche Erfahrung und Sehgewohnheit sind.

Wesentlich bei der Entstehung seiner Objekte sind Kombination und Zufall als (mit-)entscheidender Faktor in seiner Arbeitsweise. Wichtig hierbei ist das Moment der Überraschung – sowohl im Prozess der Formfindung und Gestaltwerdung des Objekts durch den Künstler als auch in der Wahrnehmung und der inhaltlichen Erschließung durch den Betrachter.

 

Die Serie der „Autobahnkreuze“ ist die jüngste Werkphase Roland Schmitz’ und zeigt bereits seine bildhauerische Sprache. Das räumliche Phänomen Autobahn mit ihren Zu- und Abfahrten setzt er als gekreuzte und verschlungene Linie um. Er überträgt den Verkehrsknotenpunkt in den Innenraum und auf die Wand. Die Eleganz der Linienführung und die ästhetische Abstraktion stehen im Gegensatz zur Wahrnehmung von Autobahnen in der Realität. Im ersten Moment wirken die Autobahnkreuze durch tradierten Erfahrungswerte wie Kruzifixe der christlichen Kunst.

 

Die „Reclyning Nudes“ nähern sich dem bildhauerischen Genre des Akts auf ironisierende und originäre Weise: Aus aufgeblasenen, verknoteten Fahrradschläuchen entstehen gewundene Form-Figuren, die als liegende oder kniende Figur zu abstrahierten Akten werden. In Bronze gegossen spielen sie – täuschend echt die Gummioberflächen der schwarzen Fahrradschläuche imitierend – ihre vermeintliche gegen ihre tatsächliche Materialität aus. Die Leichtigkeit der Luft steht gegen die Schwere des klassischen Bildhauermaterials.

 

Die „Visions“ sind ursprünglich auf ein Blatt gezeichnete Umrisslinien, die ausgeschnitten, miteinander verschlungen, ineinandergeschoben und so in eine dreidimensionale Form gebracht werden. Über Versuch und Intuition entwickelt er aus der zweidimensionalen Fläche fragile und multiperspektivisch in den Raum greifende Objekte. Diese eröffnen zahlreiche Durchsichten und unterschiedlichste Ansichten, sind endloskurvige Raumzeichnung, ebenso simpel wie komplex. Sie erinnern an Insektenflügel, Blüten und organische Formen genauso wie an Lichtspuren und physikalische Experimente.