jessica backhaus

Jessica Backhaus (1970) gilt heute als eine der wichtigsten Vertreterinnen zeitgenössischer Fotografie aus Deutschland. Sie ist Vertreterin der klassischen Fotografie, die an Henri Cartier Bresson und Jacques Lacan geschult ist. Ihr Werk wurde stark geprägt und beeinflusst durch ihre Mentorin Gisèle Freund.

 

Backhaus’ Arbeit wird international ausgestellt und publiziert und findet sich in wichtigen privaten und öffentlichen Sammlungen wie dem Museum of Fine Arts, Houston, der Margulies Collection in Miami oder der Sammlung der Deutschen Börse in Frankfurt.

 

Die poetischen Arbeiten von Jessica Backhaus beschäftigen sich mit dem Verrinnen der Zeit und Aspekten der Vergänglichkeit. Das Gewöhnliche, das Nicht-Bildwürdige, Gegenstände des alltäglichen Lebens werden durch das „educated eye“ der Fotografin zu Bild-Motiven und -Arrangements von metaphorischer Bedeutung. Dabei hegt Jessica Backhaus keinerlei sozial-dokumentarischen Anspruch. Sie ist Künstlerin und inszeniert in gewisser Weise das Sehen, führt Sehen vor. Backhaus zeigt Schönheit und lenkt den Blick auf Dinge, die gemeinhin übersehen werden. Die daraus resultierende sinnbildliche Aufladung des Motivs zielt auf den reflektierenden Betrachter.

 

In der visuellen Gestaltung und dem Bildaufbau ihrer Fotografien zeigen sich häufig formale Strukturen: in der wohldurchdachten Aufteilung ihrer Bildausschnitte, in deutlich hervorgehobenen Horizontalen, Vertikalen und quer verlaufenden Linien, in Formenstrukturen, Farbkompositionen und farbigen Akzenten. Diese vermittelt Jessica Backhaus als dezidiert gewählten An- und Ausschnitt im Bild.

 

Charakteristisch für Backhaus Werke ist ihre Auffassung von Licht und Farbe - die sie als emotionale Ausdrucksmittel nutzt - und deren malerische Umsetzung im fotografierten Bild. Backhaus bearbeitet ihre Fotografien nie am Computer.

 

In ihrer Serie „Six degrees of freedom“ beschäftigt sich Jessica Backhaus mit ihrer eigenen Biografie. Sie begibt sich auf die Suche nach Ihrer Herkunft und Identität. Am Beispiel der eigenen Kindheit und Jugend thematisiert sie allgemeingültige Fragen der menschlichen Erinnerung und fängt diese anhand herkömmlicher, banal erscheinender Motive mit ihrer Kamera ein. Diese werden zu Metaphern universeller Themen wie Herkunft, Sehnsucht, Identität und Schicksal und allgemeingültig relevanten Symbolen der Erinnerung. Erstmals in dieser Serie inszeniert die Künstlerin bestimmte Bildmotive, indem sie Fundstücke, Erinnerungstücke ihrer Kindheit in ihrer charakteristischen Weise fotografiert und diese wiederum in Bezug zu Motiven setzt, in denen sie gewohnt meisterhaft und typisch für ihren fotografischen Stil, die Poesie des Alltäglichen zeigt. Sowohl über die inhaltliche Auswahl wie über formale Kriterien des An- und Ausschnitts eines Motivs, macht Jessica Backhaus ihre Lebensstationen dem Betrachter erfahrbar und er-fühlbar. Die sinnbildliche Aufladung des Motivs zielt auf den reflektierenden Betrachter.